Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung
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Backe, Hans-Joachim: "Alan Moores League of Extraordinary Gentlemen. Comics als/über/durch Literaturgeschichte." In: Literaturgeschichte und Bildmedien. Hrsg. v. Achim Hölter und Monika Schmitz-Emans. (Hermeia, 14.) Heidelberg: Synchron, 2015, S. 293–310. 
Added by: joachim (21 Sep 2015 15:26:13 Europe/Berlin)   Last edited by: Deleted user (22 May 2016 14:09:48 Europe/Berlin)
Resource type: Book Article
Languages: deutsch
BibTeX citation key: Backe2015
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Categories: General
Keywords: "The League of Extraordinary Gentlemen", Großbritannien, Literatur, Moore. Alan, O’Neill. Kevin
Creators: Backe, Hölter, Schmitz-Emans
Publisher: Synchron (Heidelberg)
Collection: Literaturgeschichte und Bildmedien
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Abstract
Spätestens seit der Veröffentlichung von Scott McClouds Understanding Comics – einem Buch, das gleichzeitig zeigt und erklärt, wie es selbst und Comics ganz allgemein funktionieren – ist unverkennbar, dass Comics sich auch für theoretische Erörterungen eignen und durchaus Raum für die Entwicklung eigener Poetiken bieten. Neben McCloud und den von ihm inspirierten Theoriecomics beschäftigen sich Comics aber auch auf ganz anderer Ebene mit Traditionen erzählender Literatur. Die Mehrzahl der selbstreflexiven Comickünstler, etwa Jean-Pierre Mathieu oder Chris Ware, legen den Schwerpunkt allerdings auf die Geschichte und die Ausdrucksmittel des eigenen Mediums im engeren Sinn und stellen die Visualität des Comics zumindest bis zu einem gewissen Grad in den Vordergrund.
Autor Alan Moore und Zeichner Kevin O’Neill haben mit ihrer seit 1999 erscheinenden Serie The League of Extraordinary Gentlemen einen anderen Weg eingeschlagen. O’Neills karikierende, häufig an William Hogarths Tableaus erinnernde Zeichnungen zeigen eine parahistorische Welt, die deutliche Züge des steampunk trägt, einer mit realen technischen Entwicklungen brechenden Darstellung historischer Epochen. Beginnend im England der 1890er, entwickelt Moore einen Erzählkosmos, in dem sämtliche Figuren der Literaturgeschichte miteinander koexistieren. Zwar gibt es einen spannungsgeladenen zentralen Handlungsstrang um die titelgebende Liga, eine Spezialeinheit des britischen Geheimdienstes, doch bereits deren Zusammensetzung koppelt Moores Text an die Literaturgeschichte an. Wenn Figuren wie Allan Quatermain, Captain Nemo und Henry Jekyll auf Professor Moriarty, Dr. Fu Manchu und die Marsmenschen H. G. Wells’ treffen, ist eine implizite Reflexion von Literaturgeschichte unvermeidlich. Moore macht die Auseinandersetzung mit der historischen Konfiguration der Prätexte aber explizit und vertieft sie im Lauf der Reihe immer weiter, wenn die Helden der Abenteuerliteratur zusehends mit hochliterarischen Charakteren wie Shakespeares Prospero und Woolfs Orlando ins Verhältnis gesetzt werden. Die Jahrhunderte umspannende Handlung wird auf diese Weise zu einer Auseinandersetzung mit der Entwicklung populärer Fiktion, Kanonbildung und dominanter Lesarten, und zwar als Bespiegelung realhistorischer Entwicklungen aus der medienspezifischen Perspektive des Comics.
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