Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung

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Schlichting, Laura: Formen und Funktionen von Fotografie in Graphic Novels. Medialisierung und Fiktionalisierung am Beispiel ausgewählter zeitgenössischer Werke. MA. (Masterarbeit), Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Anglistik 2014 (113 S.). 
Added by: joachim (16 Mar 2016 10:38:57 UTC)   Last edited by: joachim (16 Mar 2016 10:40:20 UTC)
Resource type: Thesis/Dissertation
Languages: deutsch
BibTeX citation key: Schlichting2014
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Categories: General
Keywords: "Celluloid", "Le photographe", "Liebe schaut weg", Collage, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Guibert. Emmanuel, Hoven. Line, Lefèvre. Didier, Lemercier. Fréderic, McKean. Dave, Photographie
Creators: Schlichting
Publisher: Justus-Liebig-Universität Gießen (Gießen)
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Abstract
Innerhalb des äußerst umfassenden Themenfeldes der ›Medialisierung des Erzählens‹ befasst sich die Arbeit mit einer sehr spezifischen, innovativen und produktiven Fragestellung: Welche Formen und Funktionen kann Fotografie im Erzählmedium der Graphic Novels einnehmen? Zum einen wird damit der Frage nach verschiedenen Verfahren der Repräsentation von Fotografie in Graphic Novels nachgegangen. Zum anderen werden fotografische Darstellungen zum Erzählen genauer analysiert.
Die Arbeitshypothesen und Fragestellungen basierten auf der Feststellung, dass sowohl die Prozesse der Hybridisierung als auch das gegenwärtige Phänomen der Medialisierung für neue Erscheinungsformen und Entwicklungen in der zeitgenössischen Literatur verantwortlich sind. Diese Arbeit ging daher von der These aus, dass das Einfügen von Fotografie die Gattungsentwicklung der Graphic Narratives beeinflusst und – damit verbunden – die Einführung des neuen Subgenres z.B. ›Photo-Graphics‹ nahe legt. Die Definition sei an dieser Stelle vorweggenommen. ›Photo-Graphics‹ ist eine Unterkategorie innerhalb der Graphic Narratives. Charakteristisch für die ›Photo-Graphics‹ ist – wie der Name schon sagt – der hohe Anteil an Fotografien und/oder fotografischen Darstellungen auf diskursiver Ebene. Eine inhaltliche Thematisierung von Fotografie reicht dabei nicht aus, sondern erfordert eine Inkorporation oder Imitation von fotografischen Bildern auf diskursiver Ebene, sodass eine »Medienkombination« (vgl. Rajewsky 2002) des Werks gegeben ist.
Die Arbeit untergliedert sich in eine Einleitung, in der das Genre bzw. Medium des Comics – auch anhand erster Beispiele zur Illustration der Thematik – genauer vorgestellt wird, in die aktuelle Forschungslandschaft eingeführt wird und wesentliche Ziele sowie theoretische Ansätze aufgeschlüsselt werden. Es schließt sich ein theoretisches Kapitel an, welches zentrale genretheoretische Überlegungen zu den Begriffen »Graphic Novel«, »Comic« und »Graphic Narrative« sowie medientheoretische Gedanken zur Fotografie vornimmt und bestehende narratologische Ansätze zum Erzählen in Graphic Narratives vorstellt.
In den sich anschließenden Unterkapiteln steht verstärkt die Kategorie der Intermedialität im Untersuchungsschwerpunkt. Zunächst wird das Gebiet von Fotografie und Literatur perspektiviert, anschließend wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Graphic Narratives und Fotografie herausgearbeitet und schlussendlich eine Typologie erzeugt, die einige Formen und Repräsentationen von Fotografie in Graphic Narratives erläutert.
Das Kapitel 3 bildet den angewandten Teil der Arbeit und präsentiert drei Analysen von Graphic Narratives, die das Medium der Fotografie thematisieren, inkorporieren, medialisieren oder evoziieren: Liebe schaut weg (2007) – eine deutsch-amerikanische Familiengeschichte im 20. Jahrhundert, The Photographer (2009) – eine Graphic Novel über die Folgen des Krieges in Afghanistan Ende der 1980er und Celluloid (2011) – eine Graphic Narrative über Erotik, Pornografie, Sexualität. Folgende Fragestellungen wurden dabei untersucht: Wie und in welchem Maße wird Fotografie in den Werken verwendet? Inwieweit sind sie konstitutive Bestandteile der Gesamtkomposition? Verändert sich das Leseverhalten und wenn ja, wie?
Zusammengefasst lässt sich schlussfolgern, dass es sich immer um gewissenhaft arrangierte und kombinierte Fotografien und Zeichnungen handelt, die die Narration nicht nur visuell unterstützen, sondern wesentlicher Baustein beim Dokumentieren, Beschreiben sind und somit zur plot-Entwicklung beitragen und den Werken insgesamt Kohärenz verleihen. In allen drei Werkanalysen konnte des Weiteren bewiesen werden, dass mit steigender Hybridität und Vermischung von Genre-Grenzen innerhalb eines Werkes dem Rezipienten eine aktivere und wichtigere Funktion während des Leseprozesses zukommt und eine ›neue Lesekompetenz‹ erforderlich ist.
Festzuhalten ist, dass das Einbringen des Mediums der Fotografie innerhalb der ›Photo-Graphics‹ sowohl auf inhaltlicher als auch auf diskursiver Ebene dabei überaus fruchtbringend wirkt und nicht nur neue Lesarten eröffnet, sondern auch das Potenzial birgt, einen neuen Adressaten- und Interessenzirkel im Hinblick auf sozio-politische Themen zu erreichen.
  
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