Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung

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Wilde, Lukas R. A. "Kingdom of Characters. Die ›Mangaisierung‹ des japanischen Alltags aus bildtheoretischer Perspektive." In: Visual Past 3.1 (2016), S. 615–648, <http://www.visualpast.d ... ive/pdf/vp2016_0615.pdf> (Zugriff: 16. Aug. 2016) 
Added by: joachim (13 Aug 2016 13:37:05 UTC)   Last edited by: joachim (16 Aug 2016 23:23:46 UTC)
Resource type: Web Article
Languages: deutsch
BibTeX citation key: Wilde2016a
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Categories: General
Keywords: Bildtheorie, Figur, Japan, Manga, Narratologie, Semiotik
Creators: Wilde
Collection: Visual Past
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Attachments   URLs   http://www.visualp ... df/vp2016_0615.pdf
Abstract
Seit etwa der Jahrtausendwende wird Japan ein Aufstieg zur »Figuren-Supermacht« nachgesagt. Wurden Figuren ursprünglich durch Lizenzvergabe zusätzlich vermarktet, ist ihre Nutzung mittlerweile zum eigentlichen Marktwert geworden. Dadurch werden kyaras zunehmend als kulturphilosophisches Problem betrachtet, das die japanische Bevölkerung in allen Gesellschaftsbereichen durchdrungen habe. Fast überall werden hier aber die fundamentalen Differenzen zwischen ›eigentlichen‹ Figuren und deren kyara-›Derivate‹ betont. Exemplarisch hat der Philosoph und Kulturkritiker Azuma Hiroki die zunehmende ›Simulakrisierung‹ der japanischen Gesellschaft für solche kyaras verantwortlich gemacht. Sie stünden für einen Verfall kohärenter ›Narrative‹ und hätten einem beliebig kombinierbarem, fragmentarisierten »Datenbank-Konsum« Platz gemacht. Kyaras lassen sich darum für Patrick Galbraith definieren als »[a] highly stylized or simplified character that can be easily reproduced and consumed outside of its original narrative context«. Der Manga-Kritiker Itō Gō, in dessen Monographie »Tezuka is Dead« aus dem Jahr 2005 die Kurzform kyara auch das erste Mal präzise gegenüber ›eigentlichen‹ Figuren definiert wurde, hat dem Diskurs hingegen eine etwas neue Richtung gegeben: Itō verortet dieses ›postmoderne Potential‹ ganz konkret innerhalb des Manga-›Stilmitteldiskurses‹. Solche Techniken wiederum seien nicht neu, sondern reichten bis in die 1930er Jahre zurück.
Wie diese Figurenkonzeption zu verstehen ist, und welche entscheidende Rolle dabei womöglich der besonderen Bildlichkeit zufällt, dazu möchte der folgende Beitrag einige Zugänge eröffnen. Zunächst werden dazu 1) die medialen Kontexte reflektiert, vor denen sich diese Figuren verstehen lassen müssen. Daraufhin kann 2) die visuelle Qualität der kyara-Darstellungen beleuchtet werden, die häufig über alle medialen Distributionskanäle hinweg große Homogenität aufweisen. Deren Spezifik wird 3) in einem speziellen Auseinandertreten der prädikativen Grundfunktion des Bildes gesehen: einer charakteristischen Un(ter)bestimmtheit referenzieller Wahrnehmungsnähe und Abbildungsrelevanz. Die besondere Präsenz von kyaras lässt sich schließlich 4) durch diese Art der Bildlichkeit besser bestimmen. Sie generiert transmediale Figuren von hohem Wiedererkennungswert, ohne dabei zwangsläufig etwas über ihre Wahrnehmbarkeit zu enthüllen. Itōs kyara-Konzeption kann so (auch) als Einheit einer Differenz zwischen einer wahrnehmungsnahen perzeptiven und einer hochgradig interpretationsabhängigen diagrammatischen Bildlichkeit verstanden werden.
  
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