Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung

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Emanuel, Oliver: "Das Deutsche und die Deutschen in Francisco Ibáñez Talaveras ›Mortadelo y Filemón‹." In: Frank Leinen und Guido Rings (Hrsg.): Bilderwelten – Textwelten – Comicwelten. Romanistische Begegnungen mit der Neunten Kunst. München: Meidenbauer, 2007, S. 85–104. 
Added by: joachim (20 Jul 2009 01:28:56 UTC)   Last edited by: joachim (12 Nov 2009 15:51:52 UTC)
Resource type: Book Article
Languages: deutsch
BibTeX citation key: Emanuel2007a
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Categories: General
Keywords: "Mortadelo y Filemón", Deutschland, Ethnizität, Ibáñez. Francisco, Rezeption, Spanien, Stereotypen
Creators: Emanuel, Leinen, Rings
Publisher: Meidenbauer (München)
Collection: Bilderwelten – Textwelten – Comicwelten. Romanistische Begegnungen mit der Neunten Kunst
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Abstract
Die Untersuchung der Entstehung, Verfestigung und Abbildung von nationalen, ethnischen sowie rassischen Stereotypen ist mittlerweile ein relativ gut erschlossener Bereich innerhalb der Diskurse über Rassismus, Nationalismus, Ethnozentrismus und Kolonialismus im Comic. Die sogenannte »neunte Kunst« bildet diese Stereotypen mit ihren charakteristischen ästhetischen Mitteln, also Text, Bild und Bildfolge ab. Auf diesen drei Ebenen entwickelt sich im jeweiligen Comic-Diskurs ein ganz spezifisches Stereotypeninventar heraus, dessen Elemente nicht selbstreferentiell sind, sondern auf das nationale, rassische oder ethnische Andere verweisen.
Das Stereotyp des »Deutschen« ist nur eines von vielen, die im internationalen Comic zu finden sind. Es basiert, wie alle Stereotypen, auf einer Kombination von als typisch für eine bestimmte Gruppe angesehenen Eigenschaften, in diesem Fall zumeist Militarismus, Organisationswahn, Kadavergehorsam usw. Diese stereotype Darstellungsweise existiert nicht nur intertextuell im Comic, sondern liegt vielmehr intermedial, so z. B. auch im Film oder im Computerspiel, vor. Allerdings ist sie nicht unbedingt interkulturell homogen, sondern das, was im europäischen oder US-amerikanischen Comic-Diskurs als typisch »deutsch« gilt, kann im lateinamerikanischen oder im chinesischen als typisch »europäisch« angesehen werden.
Mit Blick auf die Bilderwelten von Francisco Ibáñez, einer der herausragenden Comic-Macher der Postmoderne, ist die stereotype Darstellung des »Deutschen« und der Deutschen deswegen besonders interessant, weil Ende der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts mit dem Wegfall der franquistischen Zensur in Bilderwelten, die bereits seit den 50er-Jahren existierten, erstmals offene Kritik am ehemaligen franquistischen Regime und seinem Verbündeten Deutschland möglich geworden war.
Das ursprüngliche Bild vom »Deutschen« und den Deutschen hat sich in den Comics von Ibáñez seit den 80er-Jahren deutlich gewandelt. Aus dem faschistischen Staat der ideologischen Landkarte, dem Inbegriff des Bösen, wird ein geographisch, kulturell, politisch und auch sprachlich erfahrbarer Raum. Die dadurch hinterlassene semantische Lücke im Diskurs wird zunehmend von anderen stereotypen Figuren, wie z. B. dem lateinamerikanischen Diktator oder dem Generalissimus selbst, besetzt.
Bemerkenswert erscheint die Rezeption des Stereotyps des Deutschen durch das deutsche Publikum über die Bilderwelten des Spaniers Ibáñez, wobei offensichtlich die dunkle Seite der eigenen nationalen Identität in Form einer Comic-Katharsis verarbeitet wird.
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