Bonner Online-Bibliographie zur Comicforschung

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Denkmayr, Judith: Die Comicreportage. M.A. (Diplomarbeit), Universität Wien, Publizistik und Kommunikationswissenschaft 2008 (235 S.). 
Added by: joachim (27 Jun 2010 19:20:24 UTC)   
Resource type: Thesis/Dissertation
Languages: deutsch
BibTeX citation key: Denkmayr2008
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Categories: General
Keywords: "A Jew in Rostock", "In the Shadow of No Towers", "Kleine Welt – Big Orange", "Safe Area Goražde", "Wer bleibt", Dinter. Tom, Journalismus, Lust. Ulli, Reisebericht, Reportagecomics, Sacco. Joe, Spiegelman. Art, USA
Creators: Denkmayr
Publisher: Universität Wien (Wien)
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Abstract
Inhaltliche Ziele:
Comics sind seit ihrer Entstehung im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ein Teil der Populärkultur und werden oft der »low art«, der trivialen Kunst und Literatur, zugeordnet. Journalismus hingegen wird, zumindest von den Cultural Studies, als »the most important textual system in the world« angesehen. Eine Kombination aus beiden Textsystemen, die die Comicreportage darstellt, wirft Fragen bezüglich ihrer Glaubwürdigkeit, ihrer Fähigkeit zur Darstellung von Realität und zum Transport von Faktizität auf. Der erste Teil der Arbeit widmet sich zuerst der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Comics in Hinblick auf den Trivialitätsverdacht. Besonderes Augenmerk wird dabei auf Comics mit einer erwachsenen Leserschaft gelegt. Nach einer Beschreibung der visuellen und verbalsprachlichen Darstellungsmittel und einer Abgrenzung von verwandten Bild-Textgattungen wird die Möglichkeit der Darstellung von Realität im von Hand gezeichneten Bild und speziell im Comics diskutiert. Folgende Forschungsfragen werden in diesem auf Literatur basierenden Teil beantwortet:
– Seit wann und warum stehen die Comics in Verdacht, triviale Literatur zu sein?
– Was sind Comics und was unterscheidet sie von Karikaturen, Bildgeschichten und anderen Bild-Textmedien?
– Mit welchen grafischen und verbalen Darstellungsformen arbeiten Comics?
– Können Comiczeichnungen Realität glaubwürdig darstellen?
Der journalismustheoretische Teil der Arbeit beschäftigt sich mit Journalismusdefinitionen und da v.a. der vierdimensionalen Definition von Armin Scholl (Journalismus als Funktionssystem, als organisierte Produktion öffentlicher Aussagen, als Beruf, journalistische Tätigkeiten, journalistischen Berufsauffassungen, mit den Funktionen der Massenmedien und der Objektivitätsdebatte, dem Cultural Studies Ansatz in der Journalismusforschung, den Visual Cultural Studies und den journalistischen Darstellungsformen mit Schwerpunkt Reportage, Sozialreportage und New Journalism. Auf dieser theoretischen Basis werden folgende Forschungsfragen gestellt:
– Sind Comicreportagen journalistische Texte?
– Sind Comicreportagen auch Reportagen nach journalistischen Maßstäben?
– Können Comicreportagen dem journalistischen Objektivitätsanspruch gerecht werden?
– Wie wird versucht, mit gezeichneten Bildern einem dokumentarischen Anspruch gerecht zu werden?
– Mit welchen grafischen und verbalen Darstellungsformen wird in der Comicreportage gearbeitet?

Forschungsdesign:
Die Beantwortung der Forschungsfragen erfolgt durch einer an den Cultural Studies orientierten Produktions- und Textanalyse sowie einer Ikongraphischen Analyse des Materials. Untersucht werden fünf Comics, deren Autoren einen auf Augenzeugenschaft und Faktizität begründeten Zugang zu ihrer Arbeit gewählt haben. Die Texte werden untersucht auf den Entstehungsvorgang, Zuordnung/Abgrenzung zu einer der vier Dimensionen von Scholls Journalismusdefinition, Recherchetätigkeit, Themenauswahl/Nachrichtenwerte, soziokultureller Hintergrund und Ausbildung des Autors, Reportagekriterien, journalistisches Schreiben, Überprüfbarkeit von Fakten und Ausgewogenheit der Darstellung. Im Zuge der Auswertung folgt eine Verifikation/Falsifikation als Reportage und gegebenenfalls eine Zuordnung zu Subgenres bzw. zu anderen journalistischen Darstellungsformen, eine Zuordnung der Berufsauffassung des Autors und eine Einordnung hinsichtlich der erfüllten Funktionen von Massenmedien.

Ergebnisse, Interpretation:
Die empirische Analyse konnte bestätigen, dass es sich bei den Comics um journalistische Texte handelt. Im ersten Teil der Arbeit konnte auch die Fähigkeit des Comics zur glaubwürdigen Darstellung der Realität bestätigt werden Die als Kriterien definierten journalistischen Kerntätigkeiten Recherche, Selektion, journalistisches Schreiben und Redigieren sind bei allen Arbeiten vorhanden. Drei der Arbeiten konnten als Reportagen eingeordnet werden, eine weitere als Essay bzw. Kommentar und die fünfte Arbeit als eine Mixtur aus Reisebericht und Porträt. Die Themenauswahl der Autoren ist vergleichbar mit jener der Massenmedien, doch beschäftigen sich die Autoren mit den sozialen Auswirkungen von Politik, Krieg, Terrorismus, Rassismus und Arbeitslosigkeit auf die Menschen. Als journalistische Berufsauffassung sind die Autoren überwiegend dem interpretativen Journalismus zuzuordnen. Abschließend kann der Comicjournalismus und daher auch die Comicreportage als Gegenentwurf zum objektiven und oft inhumanen Informationsjournalismus gesehen werden.

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis 11

1 Einleitung 13

2 Entstehungsgeschichte des Comic 16
2.1 Eine Vorgeschichte des Comics 17
Der Bilderbogen 17
Die Karikatur 18
Der Bilderroman 20
2.2 Die Presse als Geburtshelfer des Comic Strips 22
2.3 Der Comic Strip als Massenmedium 24
2.4 Innovation und Ideologie: Die 30er und 40er Jahre 26
2.5 Zensur und Selbstzensur: Die 50er Jahre 29
2.6 Gegen die bürgerlichen Tabus: Die 60er und 70er Jahre 34
2.7 »Die Comics werden Erwachsen«: Die 80er Jahre 37
2.8 Von Mangas bis zu Webcomics: Von den 90er Jahren bis heute 42
2.8.1 Comics im neuen Jahrtausend 45
2.8.2 Webcomics 48
2.9 Zusammenfassung 49

3 Comicdefinition und Abgrenzung von Verwandten Gattungen 52
3.1 Von Bild- Und Bildergeschichten 52
3.2 Comics: Zu Begrifflichkeit und Definition 53
3.2.1 Zum Begriff 54
3.2.2. Versuch einer Definition 54
3.3 Abgrenzung von verwandten Gattungen 58
3.3.1 Karikatur/Cartoon 58
3.3.2 Fotoroman 59
3.3.3 Bildreportage/Fotoreportage 60

4 Comics Lesen 62
4.1 Visuelle Darstellungsformen 63
4.1.1 Das Panel 63
4.1.2 Bildmetapher / Piktrogramme 63
4.1.3 Hiatus/Rinnstein/Bildzwischenraum 64
4.1.4 Habitus/ Panelrand 64
4.1.5 Seitenlayout 65
4.1.6 Speed Lines 66
4.2 Sprache und Schriftlichkeit 66
4.2.1 Zur Sprache 66
4.2.2 Schriftliche Darstellungsformen 68
4.2.2.1 Sprechblasen – Direkte Rede 68
4.2.2.2 Gedankenblasen – Innerer Monolog 69
4.2.2.3 Blocktext – Erzählerkommentar 69
4.2.2.4 Onomatopöien/Lautmalereien 69
4.3 Einstellungen, Schnitt, Perspektive – Comic und Film 70
4.3.1 Storyboards 71
4.3.2 Die Einstellung 71
4.3.3 Die Bildmontage („Schnitt“) 73
4.3.4 Die Perspektive 74
4.3.5 Die Akzentuierung 75
4.3.6 Artwork 76
4.3.7 Zeichenstil 76
4.3.8 Farbe im Comic 78

5 Die Wirklichkeit im Bild 79
5.1 Das mimetische Bild 79
5.2 Zeichnung versus Foto 81
5.3 Stilisierung: Die reduzierte Darstellung im Comic 84
5.4 Wider die »Foto-Kultur« 86
5.5 Zusammenfassung 89

6 Journalismus – Versuche einer Definition 91
6.1 Journalismusdefinition nach Armin Scholl 93
6.1.1 Journalismus als (Funktions-)System 93
6.1.2 Journalismus als organisierte Produktion öffentlicher Aussagen 95
6.1.3 Journalismus als Beruf 95
6.1.4 Journalistische Tätigkeiten 96
6.1.4.1 Selektieren 96
6.1.4.1.1 Nachrichtenauswahl/Nachrichtenwerte 97
6.1.4.1.2 Krieg als Nachrichtenfaktor 100
6.1.4.1 Recherchieren 101
6.1.4.3 Schreiben – Sprache, Verständlichkeit, Vermittlungskompetenz 102
6.1.4.4 Redigieren 104
6.2 Journalistische Berufsauffassungen 104
6.2.1 Objektive Berichterstattung 105
6.2.1.1 Das Objektivitätspostulat in der Journalistik 105
6.2.1.2 Das Objektivitätspostulat in der journalistischen Praxis 108
6.2.2 Interpretativer Journalismus 110
6.2.3 Anwaltschaftlicher Journalismus 110
6.2.4 Meinungsjournalismus 111
6.2.5 Investigativer Journalismus 111
6.2.6 Präzisionsjournalismus 111
6.2.7 New Journalism 112
6.2.8 McJournalism/Marketingjournalismus 112
EXKURS: Weblogs – Laienjournalismus oder der Journalismus der Zukunft? 113
6.3 Funktionen von Massenmedien 116
6.3.1 Die Informationsfunktion 116
6.3.2 Die politische Funktion 117
6.3.3 Die soziale Funktion 118
6.3.4 Die Integrationsfunktion 119
6.3.5 Die ökonomische Funktion 119
6.3.6 Die Agenda Setting-Funktion 120

7 Cultural Studies Approach 121
7.1 Populärer Journalismus 123
7.2 Visual (Cultural) Studies 128

8 Journalistische Darstellungsformen 129
8.1 Informierende Darstellungsformen 129
8.2 Meinungsbildende Darstellungsformen 131
8.3 Interpretierende Darstellungsformen 133
8.3.1 Die Reportage 133
8.3.1.1 Die Sozialreportage 136
8.3.1.2 Die Literarische Reportage 138
8.3.1.3 New Journalism 139
8.4 Fantasiebetonte/Unterhaltende Darstellungsformen 143
8.5 Illustrative Formen 144

9 Zusammenfassung 145

10 Die Untersuchungsmethode 148
10.1 Methodenbeschreibung und -begründung 148
10.1.1 Grundgesamtheit – Auswahlkriterien für das Forschungsmaterial 149
10.2 Produktionsanalyse 150
10.3 Bildanalyse 151
10.3.1 Sequentielle Bilder 153
10.3.2 Medienbilder 153
10.1.4 Textanalyse 154

11 Empirische Analyse 156
11.1 Ulli Lust: „Wer bleibt« 156
11.1.1 Produktionsanalyse 156
11.1.2 Bildanalyse 158
11.1.3 Textanalyse 163
11.2 Tim Dinter: »Kleine Welt – Big Orange« 165
11.2.1 Produktionsanalyse 165
11.2.2 Bildanalyse 167
11.2.3 Textanalyse 171
11.3 Art Spiegelman: »A Jew in Rostock« 174
11.3.1 Produktionsanalyse 174
11.3.2 Bildanalyse 176
11.3.3 Textanalyse 180
11.4 Art Spiegelman: »In the Shadow of No Towers« 183
11.4.1 Produktionsanalyse 183
11.4.2 Bildanalyse 185
11.4.3 Textanalyse 190
11.5 Joe Sacco: »Safe Area Goražde« 193
11.5.1 Produktionsanalyse 193
11.5.2 Bildanalyse 197
11.5.3 Textanalyse 201

12 Auswertung 206

13 Schlussbetrachtung 220

Literaturverzeichnis 223
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